„Meister der Live-Synchronisation“ (Münchner Merkur)

Kulturbonbon
Wenn Meister der Live-Synchronisation drüber reden

Münchner Merkur, 3. 10. 2008, agm

Garching – Wie? Dem Leser sagen die Namen Peter Hörmanseder (geboren 1970 in Wels), Ulrich Salamun (1971 in Köln) und Robert Stachel (1972 in Wiener Neustadt) nichts? Auch „maschek“ nie gehört? Dabei hat das Trio eine Masche, die in Österreich längst Kult ist: Sie reden drüber – über das Fernsehen. Und das ist wortwörtlich gemeint. Sie sind nämlich Meister der Live-Synchronisation. „maschek“ legt Prominenten und manchmal auch weniger Prominenten Wörter in den Mund, der Sinn des eigentlich Gesagten wird entstellt – und schon folgt ein Lacherfolg dem anderen. Wie beim beliebten Kulturbonbon der Stadt Garching.
Das Trio sitzt gemütlich auf dem Sofa, den Fernseher vor sich, den Blick auf die TV-Ausschnitte gerichtet, die gleichzeitig für alle im Römerhof gut sichtbar über die Riesenleinwand laufen – und synchronisiert. Und das auch noch ganz aktuell: Da flimmern die erst am Sonntag zuvor gesehenen Fernsehsendungen des Bayerischen Wahlabends über die Leinwand. BR-Moderator Peter Sauer spricht plötzlich getragen von den drei wichtigen L’s der Bayern, Laugenbrezn, Laptop, Lederhosen, von der schlechten Testwahl, ganz anders als die „beim österreichischen Volk deutscher Rasse“.
Den größten Lacherfolg beim Kulturbonbon-Publikum landet das Trio mit den Synchronisationen des G8-Gipfels in Heiligendamm: Damals, als sich Angela Merkel und ihre Freunde zum Kochwettbewerb trafen. „Ich koch einen Broiler“, meint „Angie“, und „Nici“ aus Frankreich tobt über den Mist, den Tony aus England vorsetzt.
Das Lächerliche vermischt mit dem Ehrenwerten. Das ist die feine Mischung, die „maschek“ so erfolgreich macht. Da überzeugt der Dalai Lama Interviewpartnerin Maybrit Illner vom Sinn von Gewaltaktionen, und es redet die jahrelang gepeinigte und gefangen gehaltene Natascha Kampusch im Gespräch mit Niki Lauda über sein verbranntes Ohrläppchen, das keine Brille mehr hält und ihn zwingt, Kontaktlinsen zu tragen.
Alles bekommt eine wunderliche, komisch irrationale Wirklichkeit. Vor allem wenn Bundeskanzlerin Merkel auf die Suche nach einem endlich geeigneten Ehepartner für öffentliche Auftritte geht: „Unter uns Pfarrerstöchterchen“ mein sie zum Gegenüber der Partnersuchagentur, „ich brauche nicht einen Mann fürs Bett, das kann schon der Sauer machen“. Sie braucht einfach nur sozusagen einen „First Husband“ zum Ausleihen.
1996 hat sich das Trio beim Studium in Wien kennen und schätzen gelernt  – und die Idee „maschek“ entwickelt. Ihr Bühnendebüt feierten die Freunde im Dezember 1998 im Wiener Wohnzimmerclub Hobbythek. 1999 experimentierten sie bei der Moderation  eines Abends zur Nationalratswahl erstmals mit TV-Live-Synchronisationen, die bald zum dominierenden Element ihrer Auftritte wurden. 2002 wurden „maschek“ im Wiener Rabenhof Theater sesshaft und kreierten unter dem Titel maschek.redet.drüber zwei Jahre lang einen monatlichen Rückblick auf das televisionäre Geschehen. Im Herbst 2006 wurde dies fester Bestandteil der ORF-Sendung Dorfers Donnerstalk.
Beim 47. Garchinger Kulturbonbon hat „maschek“ gezeigt, dass drüber reden nicht immer heißen muss, das Richtige zu reden, aber dass das einfach viel Spaß macht.