„Immer freundlich, immer lächelnd“ (Badische Zeitung)

Die „Badische Zeitung“ verweist im ersten Porträt des neuen österreichischen Kanzlers auf maschek (zum YouTube-Clip). Das freut uns:

„Immer freundlich, immer lächelnd“

„Grüß Gott, Grüß Gott. Hihihi. Grüß Gott, wie geht’s? Hihihi.Grüß Gott, Grüß Gott.“ So tönt der neue Österreichische Bundeskanzler in der Synchronisation der Wiener Satirikergruppe „Maschek“. Prägnanter kann man ihn kaum beschreiben. Werner Faymann ist ein ausgesprochen kommunikationsfreudiger, umgänglicher Mensch. Er lacht gerne, er plaudert gerne, er grüßt alle, die seinen Weg kreuzen. In einer Partei, die den stets leicht säuerlichen Oberlehrer Alfred Gusenbauer ertragen musste, ist das schon ziemlich viel. Genug jedenfalls, um im vergangenen Sommer mit 98 Prozent zum Parteivorsitzenden der Österreichischen Sozialdemokraten gewählt zu werden. Und seit Sonntag steht fest, dass Faymann von Gusenbauer auch das Amt des Regierungschefs in einer Großen Koalition mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) übernimmt.
Wer den 48-jährigen Wiener aber wegen seiner herzlichen Art zum „Kuschelkanzler“ stempeln will, der täuscht sich gewaltig. Faymann weiß, wie er seine Gegner kaltstellen, die Medien für seine Zwecke einsetzen und seine Interessen durchsetzen kann. Und da er sich gut erreichbare Ziele setzt, muss er sich nicht mit Versagensängsten quälen. Er wolle nichts versprechen, was er nicht halten könne, betont Faymann oft in Interviews: Das Schlimmste sei doch, der Bevölkerung etwas vorzuspielen. In der neuen Großen Koalition lässt der Regierungschef die großen, aber schwierigen Reformen des Bildungs- und die Gesundheitssystems deshalb in Arbeitsgruppen versanden.

Ein Visionär ist Faymann sicherlich nicht. Aber er hat das Geschäft der Tagespolitik von der Pike auf gelernt und ist auf seinem Weg nach oben niemals ausgerutscht. Faymann stammt aus einer Wiener Kleinbürgerfamilie und begann seine politische Laufbahn Anfang der 80er Jahre in der Sozialistischen Jugend. Wer ihm damals nahe stand, tut es heute noch: Eine damalige Partnerin wird jetzt Infrastrukturministerin, ein damaliger Freund und späterer Pressesprecher ist Geschäftsführer einer Faymann freundlich gesinnten Gratiszeitung. Auch seine heutige Frau Martina kennt Faymann noch aus der Parteijugend.

Mit 25 Jahren wurde Faymann jüngster Abgeordneter im Wiener Stadtparlament, mit 34 Jahren Mitglied der Stadtregierung, zuständig für den in Wien besonders wichtigen kommunalen Wohnbau. Aus dieser Zeit stammt seine enge Beziehung zu Hans Dichand. Er ist Herausgeber der größten österreichischen Boulevardzeitung, der „Kronen-Zeitung“. Den greisen Herausgeber nennt Faymann „Onkel Hans“, die beiden verbrachten Ferien zusammen. Der Politiker ließ besonders viel Werbung in der Krone schalten . Die Verbindung zum Boulevard hielt auch, als Faymann 2007 Verkehrsminister in der Großen Koalition unter Kanzler Gusenbauer wurde. Er machte die Lebensgefährtin eines Ressortleiters der „Kronen-Zeitung“ zu seiner Pressesprecherin und verkündete den Kurswechsel der SPÖ in der Europapolitik in einem offenen Brief an Herausgeber Dichand. Im Gegenzug erhob ihn die Zeitung im Wahlkampf in Versen und Homestories zum Retter der Nation und rollt ihm jetzt den roten Teppich ins Kanzleramt aus.

Faymann hat gute Verbindungen zu den Boulevard-Medien

Dass Künstler und Intellektuelle wegen seiner Nähe zum Boulevard der SPÖ die Gefolgschaft aufkündigen, dürfte Faymann keine schlaflosen Nächte bereiten. Seine Zielgruppe sind die roten Kernwähler: Pensionäre, Arbeiter, Angestellte. Eine Öffnung der Partei durch Quereinsteiger wird es unter ihm nicht geben. Er verlässt sich auf brave Parteisoldaten wie die neue SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas, die mit ihren 27 Jahren klingt, als hätte sie mindestens 40 Jahre Parteikarriere hinter sich.

Dass sich Österreichs Journalisten nun abmühen, den „wahren Faymann“ hinter dem Machttechniker und Netzwerker zu entdecken, findet ein alter Bekannter des neuen Kanzlers lächerlich: Faymann sei Wysiwyg, verwendet der Mann einen Fachbegriff aus der Computerwelt: „What You See Is What You Get“ (Was du siehst, ist das, was du bekommst): Faymann habe sich nie verändert. Er werde auch als Kanzler nicht an Format gewinnen.

Autor: Bernhard Odehnal