„Flugversuche – in den Orkus“ (Der Standard)

Flugversuche – in den Orkus
Bitterböse: Das Puppenspiel „Beim Gusenbauer – Willkommen in der Sandkastenrepublik“ im Rabenhof-Theater

Wien – Über Michael Häupl, von den Konferenzen mit Prof. Zweigelt ziemlich feist mit Doppelkinn gezeichnet, lässt sich trefflich lachen: Er hat zumindest sein sozialdemokratisches Herz am rechten Fleck. Alfred Gusenbauer hingegen, der den letzten Abend „mit dem Barolo“ verbrachte, lacht man unentwegt aus: Das Maschek-Trio zeichnet ihn im Rabenhof als VP-Zukunftshoffnung, die andauernd selbstverliebt über den Titel der ersten Autobiografie sinniert.

Schonungslos wird jede seiner Entgleisungen, jede Lüge, jede Peinlichkeit zitiert: Weil der Kanzler versprochen hatte, auch privat erreichbar zu sein, ist er nun am Ballhausplatz daheim. Für das Kasperltheater „Beim Gusenbauer“ baute Bühnenbildner Erich Sperger daher nicht dessen Wohnzimmer nach (wie zuvor „Bei Schüssels“), sondern bis in die Details perfekt das Kanzlerbüro. Und Gerhard Haderer, nach dessen Vorlagen Ana Maria Heigl die treffenden Puppen modellierte, malte die Bilder nach, die sich der Kanzler hat aussuchen lassen: Seine Interpretation von Maria Lassnigs Fliegenlernen mit Gusi, der nicht mit dem Vogel entschwebt, sondern diesen eher runterdrückt, ist genial.

In diesem Setting hat natürlich nur einer das Sagen: Wolfgang Schüssel als Einflüsterer hinter dem Spiegel. Und weil die Mascheks samt Hausherr Thomas Gratzer als Regisseur Anleihen bei Ferdinand Raimund genommen haben, springt der Sonnenkönig entsetzt aus dem Bild heraus: Bruno Kreisky liest dem von seinem Juso-Alter-Ego verfolgten Gusi die Leviten. Dieser hat schließlich alle Ideale verraten – und negiert seine Partei: „Kommt was von der Basis, waas i‘, dass a Schas is.“ Er befördert sich schließlich selbst in den Orkus: über die Metternich-Fallklappe.

(trenk / DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2007)

Die Gruppe „maschek“ lässt die Puppen wieder tanzen.  (Foto: APA)