„Besonders unerträglich“ (kabarett.at)

„Schräge Situationskomik und vordergründige Albernheiten ergeben noch keine abendfüllende Polit-Satire. Besonders unerträglich wird es, wenn ‚maschek.‘ verzweifelt versuchen, die Dialoge mit flachen Kalauern aufzupeppen.“ (kabarett.at / Peter Blau: Traurige Blähungen des Bundeskasperls)

Traurige Blähungen des Bundeskasperls

Der Bundeskanzler haust bescheiden und etwas angestaubt, leidet unter Flatulenz und seiner esoterisch angehauchten Gattin, legt am Küchentisch 5000-Teile-Puzzles der Mariazeller Basilika, teilt sich das Klo mit seinem Bolero-Partner Andreas Khol, und wird von diversen ausländischen Staatsoberhäuptern und inländischen Oppositionsführern heimgesucht. Angela Merkel hält er für eine polnische Putzfrau, Silvio Berlusconi gelingt es mit dem Argument „Zugang zum Meer“, Lampedusa gegen die Brenner-Autobahn einzutauschen, Vladimir Putin erteilt ihm einen Schnellkurs im Umgang mit politischen Gegnern – und fällt schließlich selbst einem todlangweiligen Dia-Vortrag des österreichischen Regierungschefs zum Opfer. So geht es zu „Bei Schüssels“ – zumindest, bis der Bundeskanzler vom Kasperl höchstpersönlich in die hohe Kunst des Schweigens eingewiesen wird. Soweit in groben Umrissen die diversen Sketche, die das Trio „maschek.“ für die jüngste Produktion des „Rabenhofs“ zu einem trashig-kuriosens Bundeskanzler-Homestory-Kasperlpuppenspiel verschachtelt hat.

Fangen wir mit dem Positiven an. Damit es in dieser im weiteren Verlauf zweifellos von Trauer und Ärger über eine ungenutzte Chance und einen vertanen Abend gezeichneten Rezension nicht in Vergessenheit gerät. Ein dreifach Hoch auf die Puppen – und ihre Schöpferin Ana Maria Heigl! Ihr sind durchwegs physiognomisch exakte, hinreißende Karikaturen gelungen. Bewegt werden sie tadellos und in klassischer Kasperl-Theater-Manier von den emsigen Betreibern und seinerzeitigen Wiederbelebern des „Original Wiener Praterkasperls“. Auch Bühne (Erich Sperger) und Ausstattung (Gerhard Haderer), vor allem die detailreiche Inneneinrichtung der Bundeskanzler-Behausung, lassen keine Wünsche offen. Raffiniert auch die Idee, Gusenbauer mit einer versteckten und Berlusconi mit einer offensichtlichen Kamera auszurüsten, um den zahlreichen gewitzten Kleinigkeiten – großformatig projiziert – angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. So weit, so gut.

Doch alle Sorgfalt und kreative Mühe sind vergebens, wenn es am Text hapert. Es ist eben doch etwas ganz anderes, Fernsehbildern skurrile Synchronisationen zu verpassen, als einen satirischen und möglichst pointierten Puppentheaterplot zu verfassen. Unabhängig davon, dass die Hauptrollen zum Teil gleich besetzt sind. Bei den diversen gelungenen „maschek.redt.drüber“-Programmen entsteht der Witz ja hauptsächlich aus der offensichtlichen Diskrepanz zwischen den gewohnten Fernsehbildern und den schrägen, herrlich unpassenden Texten, die den Figuren in den Mund gelegt werden. In „Bei Schüssels“ hingegen agieren Puppen, deren einzige Aufgabe es ist, den Text zu illustrieren. Der muss daher schon sehr gewitzt sein, um ohne das sonst optisch ständig mitschwingende Kontrastmittel namens Realität bühnenwirksam zu funktionieren. Im vorliegenden Fall ist er es nicht. Leider. Schräge Situationskomik und vordergründige Albernheiten ergeben noch keine abendfüllende Polit-Satire. Besonders unerträglich wird es, wenn „maschek.“ verzweifelt versuchen, die Dialoge mit flachen Kalauern aufzupeppen.

Schade. Denn das Kasperltheater-Konzept (Thomas Gratzer) und die Puppen hätten ja absolut das Zeug dazu, ein amüsantes, absurd-komisches Schauspiel zu bieten. Im Idealfall könnte es die aktuelle politische Satire um eine schillernde, weil dramatische Facette bereichern. Wunschvorstellung: täglich aktuell zwischen ZiB und Wetter ein kurzer Bundeskasperl-Sketch. Na gut, dann eben auf ATV+.

Ob im Fernseh-Kastl oder in der Guckkasten-Bühne: Das Projekt bedarf auf alle Fälle dringend der Unterstützung von Autoren, die nicht nur über die nötige, respektlose Phantasie verfügen, sondern auch der Pointe mächtig sind: der geschliffenen, politischen ebenso, wie des gemeinen Alltags-Scherzes. Dann wird’s sicher lustig.