(aus unserem Buch „Satire darf al“ von 2018)
Zwanzig Jahre Zusammenarbeit auf engem Raum bedeutet auch zwanzig Jahre Insiderwitzchen, soziale Codes und Wortverdrehungen. Hier der Versuch einer Übersetzung.
- Asti, der: Die Blamage, einen Schmäh nicht verstanden zu haben und ihn durch eine eigene Aussage zu killen oder zu erklären. A: “Das Teil kriegt zehn Punkte auf der nach oben offenen Knallerskala.” B: “Heißt das nicht Richterskala?” Benannt nach einem Studienkollegen von Maschek, dem diese Fehlleistung regelmäßig unterlief.
- Bubenhumor, der: Während der Vorbereitungen auf das Stück “The Great Television Swindle” entstandene Regieanweisung von Ed Hauswirth. Der Begriff hat sich seither als Teil des Auftrittsrituals verselbständigt. Auch wenn vor der Show die Stimmung schlecht, die →Spielfreude gering oder die Kräfte am Ende sind, der Auftritt selbst muss mit Bubenhumor gespielt werden, mit kindischer Freude und Energie.
- Geschmako, die: GESCHMAcksKOntrolle. Weiterentwicklung des Begriffs →Quako. Wenn ein Beitrag Grenzen des guten Geschmacks verlässt, muss er durch die Maschek-interne Geschmako.
- gespielter Witz, der: In jedem abendfüllenden Programm versuchen Maschek einen alten Witz einzubauen, oft aus ihrer Schulzeit. Als Francois Hollande im Clip “Der Witz mit dem Agenten” (WÖ 202) Barack Obama einen Witz aus den Achtzigern erzählen will, vergisst er zunächst die eigentlich rassistische Pointe. Benannt nach einem TV-Showelement bei Dieter Hallervorden, wo alte Witze vor Publikum szenisch nachgedreht wurden.
- Groupie, das: Name des Computers, der bei Auftritten als Zuspielcomputer und gelegentlich als Arbeitsgerät für letzte Korrekturen dient. Bevor Maschek einen Techniker auf Tournee mithatten, musste immer einer von ihnen den Bühnencomputer mit ins Hotel bzw. nach Hause nehmen und zum nächsten Auftrittsort bringen. Die Formulierung “Wer schleppt heute das Groupie mit” war so pubertär wie naheliegend. →Luder.
- Erklärbär, der: Wesen menschlicher oder unmenschlicher Art, das in unseren Clips aus dramaturgischen Gründen Zusammenhänge erklärt. Frontal in die Kamera oder auch in geeigneten Gesprächssituationen. Idealerweise tritt der Erklärbär in Bärengestalt auf, was aber erst einmal passierte. Ansonsten übernimmt Hugo Portisch gerne diese Rolle. “Versteht man, was da gemeint ist?” – “Nein, da brauchen wir einen Erklärbären davor.” Als Urheber des Ausdrucks gilt die “Wochenshow”, die um die Jahrtausendwende auf Sat.1 lief.
- Fadgas, das: Dieses von Klaus Nüchtern im Falter geprägte Wort steht in unserer Lesart für ein unsichtbares, unriechbares Gas, das vermeintlich in den Publikumsraum eingeleitet wurde und das Publikum exakt für die Dauer eines Auftritts reaktionslos macht. Die Wirkung von Fadgas endet im Moment des Auftrittsendes. Durch heftigen Schlussapplaus wird das Fadgas aus dem Raum geklatscht.
- Fetzmaschine, die: Name des Computers, mit dem früher analoges Bildmaterial für Maschek digitalisiert wurde. Benannt nach einer Redensart von Peter: “Das fetz ich noch hinein.”
- Flüsterprobe, die bzw. Flüsterton, der: Manchmal wird der Entwurf für einen Clip (→Probenton) in einer Umgebung aufgenommen, die wenig Lautstärke zulässt, z.B. spätabends neben schlafenden Mitmenschen oder in einem gut gefüllten stillen Lokal. In diesem Fall wird der Ton in den Computer geflüstert. Flüsterproben können beim Wiederhören durchaus skurril klingen und sind daher nur bedingt zur Archivierung geeignet.
- HSK, die: Abkürzung für HosenStallKontrolle, die vor jedem Auftritt durchgeführt werden sollte, um sich vor einem Toilettefehler auf offener Bühne zu schützen. Ein gegenseitiger diskreter (sprachlicher) Hinweis auf die HSK hinter der Bühne ist Teil des Auftrittsrituals.
- Italiener oder Italiano, der: Probendurchlauf einer Szene ohne das Videobild dabei zu sehen. Um einen Clip zu verinnerlichen, sprechen wir ihn ohne Videobild durch. Benannt nach dem “Italian Run”, einem im angloamerikanischen Theater gebräuchlichen Begriff für einen sehr schnellen Probendurchgang, den uns Ed Hauswirth bei den Proben für TGTS nahegebracht hat. (auch als “russische” oder “tschechische Probe” dokumentiert)
- Kommerzler, der: gutbezahlte Auftragsarbeit oder Gala-Auftritt ohne künstlerischen Mehrwert.
- Larry, der: Ungewollte Peinlichkeit auf der Bühne. Etwa als jemand im Publikum an der falschen Stelle laut gelacht hat, und einer von uns mit der gerade aktiven Figur auf der Bühne “Was gibt es da zu Lachen?” brüllte: “Das war ein ziemlicher Larry vorher, der Lacher kam von einem geistig Behinderten!” Benannt nach US-Komiker Larry David, der in seiner Serie “Curb Your Enthusiasm” immer wieder durch allzu große Offenheit Ärger bekommt.
- Luder, das: Name des Ersatzgerätes für das →Groupie mit ähnlichem pennälerhaften Witzpotential.
- Mehrwert, der: Bei der Entwicklung eines Clips oder eines Dialogs kann es Ideen geben, die zwar auf den ersten Blick lustig oder verfolgenswert scheinen, aber keinen Mehrwert für die Geschichte haben, die erzählt werden soll. Diese Vorschläge können, vor allem unter Zeitdruck, durch die bloße Frage “Mehrwert?” zurückgewiesen werden.
- Microfonation Company, die: Überbegriff für die Prozedur rund um Aufbau der Tontechnik und Soundcheck. Benannt nach der “Mikrofonierung” und der “Hallucination Company”: “Wann kommt denn die Microfonation Company?”
- Nutella, die: fiktionale Erotikmesse. In einem Vertreterhotel in der Grazer Vorstadt fanden wir uns einmal mit einer großen Zahl von Mitgästen konfrontiert, deren Aufmachung klischeehaft die Nähe zum Rotlichtmilieu vermuten ließ. In unserer Fantasie handelte es sich bald um die Teilnehmer einer Branchenmesse für Sexarbeit, der “Nutella”. Diese ist seither nicht nur ein Schmäh im Clip “Papstbesuch in Austr(al)ia”, sondern auch unsere gängige Beschreibung für das einschlägige Erscheinungsstereotyp.
- Perfektomundo: Im Zuge der unter →Quako erläuterten Zusammenarbeit von ATV-Leuten (zu) oft gehörter Ausdruck der Zustimmung, der sich nach anfänglich ironischem Zitieren verselbständigt hat und nun leider auch von uns verwendet wird. Varianten mit anderen Adjektiven sind durch die Suffixe -mundo und -mente zu bilden.
- Pfuscherl, das: vgl. →Kommerzler. Von Thomas Gratzer geprägter Ausdruck für jede Art von Engagement außerhalb klassischer Bühnenarbeit bzw. seiner Deutung nach eigentlich jede Tätigkeit außerhalb des Rabenhofs.
- Postsparkater: Füllwort. “Sodawasser, Postsparkassa!” und “Sodawater, North-Dakota” wurden zu “Sodawater, Postsparkater!” (gesprochen als Arnold Schwarzenegger “Soudawota, Poustspoakouta”).
- Probenton, der: Die erste Variante eines Maschek-Clips entsteht in der Regel als Rohschnitt am Computer und wird Szene für Szene direkt in der Schnittsoftware eingesprochen. Dabei sind weder Tonqualität noch stimmliche Perfektion entscheidend, sondern nur das Festhalten des Textes und der Pointen. Dieser Probenton dient für die meisten Videos als Referenz, wenn sie für einen Live-Abend geprobt werden sollen, vor allem dann, wenn keine TV-Aufzeichnung vorhanden oder diese schlechter als die Probe ist. Vgl. →Flüsterton.
- Puppenhumor, der: Im Zuge der →Puppenkiste entstandene Variante des Begriffs →Bubenhumor.
- Pyrrhusgeschenk, das: ein Geschenk, das dem Schenker selbst mehr Arbeit macht als dem Beschenkten Freude: “Ich habe meinem Vater ein iPhone gekauft. Jetzt braucht er jede Woche Hilfe bei den Apps. Das war ein echtes Pyrrhusgeschenk!” (Kombination aus Danaergeschenk und Pyrrhussieg).
- Register, das: Stimmen bei Maschek sind aus einem oder mehreren Registern zusammengesetzt. Für einige Stimmen bemüht man sich um möglichst akkurate Darstellung der jeweiligen Person, diese wird dann quasi zu einem eigenen Register, das in Kombination mit anderen Registern wieder neue Stimmen ergibt. Beim Proben hilft das Bennennen der Register, um in Stimmen hineinzufinden: zB “Mach den Strolz, aber als Steirer” – oder “wie der VdB, nur schnell und als Frau”
- Quako, die: QUAlitätsKOntrolle. Branchenüblicher Ausdruck für technische Abnahme von TV-Sendungen. Erstbegegnung mit dem Begriff im Zuge der (letztlich nicht zustande gekommenen) Mitwirkung von Maschek an der Comedy-Show “Das Letzte der Woche” auf ATV Plus. Der Begriff Quako dient seither im internen Kontext dazu, die drohende Ablehnung eines Beitrags oder einer Idee ironisch zu thematisieren: “Das geht so nicht durch die Quako.” ‒ vgl. auch →Geschmako.
- Sammlung, die: Im Clip “Barbara Karlich bei Arnold Schwarzenegger” sagt Arnold: “Da nicht hineinfilmen, das ist meine Sammlung.” – Welche Sammlung er dort hütet, bleibt im Auge des Betrachters, wir wissen es auch selber nicht. Und mutmaßen daher in vielen Situationen über mögliche Sammlungen, die nicht weiter offengelegt werden.
- Schuhlöffel, der: Manche Rollen erfordern, um sie im schnellen Wechsel der Stimmen spontan schaffen zu können, einen Schuhlöffel. Meist handelt es sich um einen typischen Laut, bei Niki Lauda ist es z.B. ein gemurmeltes “Ahaha”, bei Werner Faymann ein geknarztes “Na”, bei Strache ein “Hödödö”.
- Schweinehälftencity: fiktionales Dorf im österreichischen Flachland, steht exemplarisch für Auftrittsorte in der Provinz, die man vor und nach der Show kaum kennen lernt. “Wo spielen wir heute?” – “Keine Ahnung. Schweinehälftencity.”
- Spielfreude, die: Stimmung vor dem Auftritt. Insbesondere bei Vorstellungen im späteren Drittel eines Programmzyklus kann es zu mangelnder S. kommen. Die gegenseitige Frage nach der S. gehört zum Auftrittsritual. Bei niedriger S. hilft der Appell an den →Bubenhumor.
- Trottelidee, die bzw. Trottelvorschlag, der: Alternativer Lösungsansatz während der Produktionsphase eines Clips oder abendfüllenden Programms. Wenn Geschichten aus unerfindlichen Gründen nicht funktionieren, wird manchmal aus Frustration der dümmst- oder einfachstmögliche Zugang mit der Markierung “Trottelidee” präsentiert, damit keinesfalls gedacht werden könnte, der Vorschlag wäre ernst gemeint. Verblüffenderweise gehen diese Ideen dann oft auf. Vgl. →Schüsselkraftwerk
- Ungarischer Reisebus, der: Wenn das Publikum kaum reagiert – so, als hätte sich ein Reisebus ins Theater verirrt voller ungarischer Touristen, die kein Deutsch verstehen: “Heute haben wir wieder vor einem ungarischen Reisebus gespielt!”
- Schüsselkraftwerk, das: Bezeichnung für eine absurde bzw. übers Knie gebrochene dramaturgische Idee, oft im Zuge der Suche nach einer solchen. Benannt nach dem Ende des Puppenstücks “Bei Schüssels II”, wo der vormalige Schweigekanzler Wolfgang Schüssel am Ende soviel spricht, dass aus seiner Rede Energie gewonnen wird. “So kommen wir nicht weiter. Wir brauchen hier ein Schüsselkraftwerk.”
- Überproben: Wenn eine Szene zu oft geprobt wurde, entsteht ein paradoxer Effekt: die Vorstellung, bei der es schließlich gilt, ist schlechter als die Probe war. Eine logische einfache Erklärung dafür könnte sein: ist die Routine einmal hergestellt, folgt sofort die Unaufmerksamkeit. Sind zwei bis drei Proben einer Szene gut geglückt, so lässt man sie liegen; ansonsten wurde “überprobt”.
- Veto, das: Mittel zur Klärung von Geschmacksgrenzen. Hat einer von uns Probleme mit einem Witz oder einem verhandelten Thema, so beraten wir in einer →Geschmako darüber. Bleibt man der Einzige, der Mühe mit dem Gag hat, so kann man ein Veto einsetzen und ihn damit ohne weitere Diskussion streichen. Pro Produktion bzw. Spielsaison hat jeder aber nur ein Veto, es muss also sparsam damit umgegangen werden.
- Wanderpokal, der: Rollen, die keinen festen Sprecher haben. Hauptsächlich Moderatoren und Korrespondenten, da diese oft Übergänge zu Politikern liefern. Der Sprecher kann selbst innerhalb eines Clips wechseln. Armin Wolf ist z.B. ein klassischer Wanderpokal.
- Zachy Noy: Kommentar für schlecht laufende Vorstellungen, of in der Pause als Zwischenbilanz. “Zachy Noy heute.” im Sinne von “Heute spielt es sich zäh.” Von Wienerisch zach für zäh, bzw. nach dem israelischen Schauspieler Zachy Noy aus der Filmreihe Eis am Stiel.
- Zaha Hadid: Soundcheck-Wort. Um gefürchtetes Mikrofonpoppen zu vermeiden, wird gerne die Buchstabenkombination TSA-HA mehrmals hintereinander möglichst laut gesprochen. Um dem Wort eine Bedeutung zu geben, sagen wir manchmal den Namen der Architektin Zaha Hadid. Auch wenn man diese nicht TSA-HA, sondern SA-HA ausspricht.
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