„Lustiger als die Österreicher“ (FM 4 online)

„Lustiger als die Österreicher“ (Robert Glashüttner, FM4 online)

Das schlaue Comedy-Trio maschek ist mit seinem Programm „maschek.redet.drüber“ auch in Deutschland unterwegs. Ein Gespräch im Backstage-Raum des Berliner BKA-Theaters.

Wer als Österreicher nach Berlin kommt, möchte die noch unbekannte Großstadt, frische Eindrücke und neue Menschen kennenlernen. Dabei stößt man allerdings, durchaus wohltuend, immer wieder auch auf alte Bekannte. Etwa im westlichen Kreuzberg, gleich neben dem kulinarischen Tourismus-Magneten „Curry 36“, im BKA-Theater. Ein kurzer Blick ins Programm genügt und ein guter Draht zur Österreichischen Kabarett- und Comedyszene wird offensichtlich. Neben Stermann/Grissemann, Alfred Dorfer oder Gunkl sind auch die drei Herren von maschek gelistet.

Dieser Umstand ist nichts Ungewöhnliches, im Fall von maschek aber doch interessanter als bei anderen Künstlern. Die meisten ihrer Sketches oder, wie sie es selbst richtigerweise bezeichnen, Geschichten, die man etwa aus dem Wiener Rabenhof-Theater, „Dorfers Donnerstalk“ und oder den unzähligen YouTube-Videos kennt, haben starken Österreich-Bezug und leben von Detailwissen über Politiker und Celebrities. Wie schafft das Trio hier den nahllosen Übergang zum deutschen Publikum?
Merkel, Fischer, Schwarzenegger

In der ersten Hälfte der für Berlin adaptierten, aktuellen Version des bislang erfolgreichsten und bekanntesten maschek-Programms „maschek.redet.drüber“ wird klar, dass es die Mischung macht. Bereits der TV-Auftritt bei „Schmidt & Pocher“ Ende Februar war keine ausschließlich mit deutschen Figuren besetzte Geschichte, sondern der „Mehrzweckhallen“-Sketch mit Heinz Fischer und dem Papst.

Auch auf der Bühne des BKA-Theaters reihen sich Merkel, Gusenbauer, Sarkozy und Schwarzenegger nahtlos aneinander, ein allgemeines Anpassen der Sprache ans deutsche Idiom findet nicht statt. Die rund 200 Personen im Publikum – ein gut gefüllter Saal – nehmen die Kombination wohlwollend und amüsiert auf. Nach dem ersten Teil der Show treffe ich Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel von maschek zum analytischen Gespräch.
Das geschriebene Wort „Pause“.

Vermischt ihr Sketches mit deutschen und österreichischen Figuren deshalb so gleichwertig, weil ihr annehmt, dass das deutsche Publikum will, dass österreichische Künstler ihren Lokalkolorit einfließen lassen und sich nicht komplett anpassen?

Robert Stachel: „Deutsche verstehen österreichischen Dialekt besser als man gemeinhin glaubt – aber sie haben nicht die geringste Ahnung von österreichischer Politik und von österreichischen Celebrities. Wir sind selber noch in einer Phase des Experimentierens. Bei uns geht es tatsächlich darum, ein bisschen Lokalkolorit einzubringen, aber nicht aus Kalkül, sondern weil die Nummern im Original so sind – es geht durchaus um Werktreue, wo man sehen muss: Wieviel Zugeständnisse sind nötig und wieviel Authentizität ist möglich? Diese Gratwanderung führen wir für jede Stadt neu durch in der wir spielen in Deutschland.““

Ihr passt euer Programm tatsächlich an die jeweiligen deutschen Städte an?

„Ja, schon. Wir haben auch schon in Hamburg und viel in Bayern gespielt, und je näher wir an Österreich kommen, desto mehr versteht man es und desto mehr Wissen ist vorhanden.“

Die österreichischen Nummern haben in Deutschland ja auch eine Bildungskomponente. Bundespräsident Fischer zum Beispiel taucht immer wieder auf und bleibt so im Gedächtnis.

„Man merkt es bei einzelnen Witzen, die in Österreich große Lacher sind: Die stoßen in Deutschland eher auf akademisches Interesse. Es gibt einerseits die Leute, die kommen und sich informieren wollen: Worüber wird in Österreich gelacht? Und es gibt jene, die einfach belesen sind und deshalb bereits etwas über Österreich wissen.“
Robert Stachel und Ulrich Salamun von der Comedy-Gruppe maschek.
Robert Stachel (links) und Ulrich Salamun

Ein typisches Vorurteil des Österreichers ist, dass man den Deutschen weniger Humor zutraut. Bei den Publikumsreaktionen hier in Berlin merkt man davon bislang nichts.

„Der gemeine Berliner ist viel lustiger als der gemeine Wiener. Ich hab‘ eher einen Minderwertigkeitskomplex, wenn ich in Berlin auf der Bühne sitze, weil die Taxifahrer hier viel lustiger sind als wir. Und denen etwas über Deutschland erzählen, find‘ ich wahnsinnig hart. Ich freu‘ mich jedes Mal, wenn die Merkel-Nummer funktioniert, weil ich mir denk‘: Ihr seid so viel lustiger als die Österreicher.“

Der Schritt auf deutsche Bühnen hat für erfolgreiche österreichische Kabarett- und Comedy-Persönlichkeiten und Gruppen durchaus Tradition, jüngere Beispiele dafür sind Alfred Dorfer und Josef Hader. Wie stark erschließen sich dabei neue Zielgruppen oder ist das größenmäßig ein Minderheitenprogramm?

„Es ist ein Minderheitenprogramm, wir sind froh, wenn die Hütte drei Mal in Serie ausverkauft ist – das ist sie derzeit noch nicht. Es geht darum, dass man überhaupt einen Fuß in der Tür hat in Deutschland.“

Peter Hörmanseder: „Wenn wir in Deutschland spielen, find‘ ich grundsätzlich schön, dass wir dadurch selbst wieder gezwungen werden, etwas wegzukommen von den ewigen Faymanns und Gusenbauers und Prölls, weil man – was auch gut ist – das wenigste davon in Deutschland kennt. Wir haben auch in Österreich vor rund zwei Jahren schon begonnen, etwas internationalere Nummern zu machen, weil einfach die österreichische Innenpolitik anödet ohne Ende. In Deutschland kann man die Nummern weglassen, ohne dass jemandem etwas abgeht.“
Peter Hörmannseder von der Comedy-Gruppe maschek.
Peter Hörmanseder

Das ist auch ein Wachsen von euch als Künstler.

„Es ist ein Wachsen, denn in Österreich wollen sie eben immer wieder, dass man den Faymann, usw. macht, aber es wird witzlos, weil irgendwann hat man sich an den Figuren abgearbeitet. Bei den internationalen Nummern weiß man wenig Details selbst, – von Merkel und Co. – dadurch muss man bessere Geschichten bauen, die auch dann länger standhalten. Bei den Österreichern kannst du jede Woche was Neues machen, was dann aber auch eine Woche später wieder tot ist.“

Die ganz absurden Geschichten von früher – Habakuk und Co. – sind allgemein eher den politischen Geschichten gewichen, die in einen Kontext eingebettet sind.

„Das Problem an älteren, bekannten Nummern ist das, dass das viele gut kennen. Und wenn wir es live spielen, ist jeder enttäuscht, weil jeder jeden Witz schon kennt. Wir schaffen es zwar immer wieder, noch einen blöden Gag rein zu bringen, aber dieses Ding ist trotzdem irgendwann tot.“

Danke für das Gespräch und viel Spaß beim zweiten Teil des Abends.