maschek: „Politiker sind auch nur Dodln“ (Vorarlberger Nachrichten)

maschek: „Politiker sind auch nur Dodln“

„Vorarlberger Nachrichten“ Nr. 148 vom 29.06.2007

VN-INTERVIEW: „maschek“ synchronisieren TV-Beiträge neu – und sorgen so für Lacher

Die Wiener Mediensaboteure „maschek“ reden drüber – im wahrsten Sinne.

MARTIN GANTNER

VN: Was macht den Erfolg, den Reiz von „maschek“ aus?

Stachel: Dass es von der Form her so einfach ist. Jeder hat schon einmal über Fernsehstimmen drübergeredet. Stichwort youtube.com: Die Leute machen das ja auch nach. Das macht uns großen Spaß, weil wir sehen, dass wir andere inspirieren.

VN: Kann man über unsere Politiker mehr lachen als über andere?

Stachel: Die Politiker sind sicher nahbarer, als etwa in Deutschland. Schlüsse auf den Charakter sind da leichter zu ziehen. Und das ist ja gerade das Spannende. Die politischen Botschaften interessieren weniger. Uns geht es darum zu zeigen: Politiker sind auch nur „Dodln“. Das macht sie ja auch menschlicher.

VN: Gibt’s Feedback von Politikern?

Stachel: Nein, überhaupt nicht. Es interessiert uns aber auch nicht. Wir treten für uns und fürs Publikum auf. Wir sind weit entfernt von einem Villacher-Fasching-Effekt.

VN: Welche Politiker geben besonders viel her?

Stachel: Der Gusi, weil er sehr natürlich agiert. Er steht zu seinen Fehlern und macht sie sogar zu seinem Markenzeichen. Ich glaube, dass der Gusi irgendwann ein ganz Großer sein wird, aber er muss noch einige Jahre durchtauchen. Weil einer, der sich dermaßen keine Blöße gibt, ist nach Schüssel eine sehr erfrischende Persönlichkeit. Er ist in unseren Stücken immer mehr zu Homer Simpson geworden, der auch für „maschek“ eine der wichtigsten Inspirationsquellen darstellt.

VN: Wie medienkritisch wollt ihr sein?

Stachel: Wir erheben einen klaren, medienkritischen Anspruch. Wir haben uns anfangs – vor unserer Zeit im ORF – auch als eine Art Anti-ORF verstanden und haben Kritik am ORF unter der schwarzblauen Regierung geübt. Diese Kritik kann bis in die 90 er- Jahre zurückreichen. Seither besteht die Tendenz, den ORF zu einem stromlinienförmigen Medium zu machen. Es ist ein ständiges Schielen nach Quote, um für die Werbewirtschaft interessant zu sein.

VN: Und dennoch seid ihr dann zum ORF gegangen?

Stachel: Es fällt natürlich schwerer, Systemkritik zu üben, wenn man selbst Teil des Systems ist. Aber innerhalb der Sendung ist so viel möglich, es werden uns keine Grenzen gesetzt, sodass wir bereit sind, diesen Preis zu zahlen. Ich möchte mich auch am derzeitigen ORF-Bashing nicht beteiligen. Denn es ist einfach erfrischend, dass sich die neue Führung irgendwas traut. Selbst eine Serie wie „Mitten im Achten“ muss man probieren dürfen, auch wenn sie letztlich gescheitert ist.

VN: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Stachel: Für Herbst haben wir eine neue Produktion geplant, die sich mit den ökonomischen Zusammenhängen in der Medienwelt befassen wird. Wir werden das Publikum einladen, in uns zu investieren. Die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit sollen dabei verschwimmen.

VN: Was erwartet uns nächste Woche in Vorarlberg?

Stachel: Man braucht nicht in beide Veranstaltungen zu kommen. Wir werden sowohl in Bregenz als auch in Feldkirch das gleiche Programm spielen. Es wird, wie aus dem TV bekannt, ein „maschek.redet.drüber“. Auch mit Sachen, die wir bei „Dorfers Donnerstalk“ aufgrund der Länge nicht bringen können.

„maschek“ sind live auf der Bühne zu erleben am 4. Juli beim Seelax-Festival in Bregenz und am 5. Juli beim Poolbar-Festival in Feldkirch. Karten: Musikladen.

ZUR PERSON

Robert Stachel Geboren: 1972 in Wr. Neustadt Geschichte von „maschek“: 1996 lernen sich Peter Hörmanseder , Ulrich Salamun und Robert Stachel beim Studium in Wien kennen. Bühnendebüt im Dezember 1998 im Wiener Wohnzimmerclub Hobbythek. Bei der Moderation eines Abends zur Nationalratswahl 1999 experimentieren sie mit TV-Live-Synchronisationen, die zum dominierenden Element der Auftritte werden.

„Maschek“ reden drüber: Sie legen Politikern Worte in den Mund – nächste Woche im Ländle.