„manchmal auch völlig daneben und peinlich“ (NÖ Nachrichten)

Niederösterreichische Nachrichten OnlineFaymann & Pröll: Lieber Harmonie als Dauerstreit

LEITARTIKEL VON HARALD KNABL

Schon einmal die Kabaretttruppe Maschek gesehen? Auf der Kleinkunstbühne oder bei Alfred Dorfer im Fernsehen? Da werden TV-Berichte mit neuen Dialogen hinterlegt. Das ist manchmal ätzend, kritisch, manchmal komisch, manchmal auch völlig daneben und peinlich. Wie halt Kabarett so ist, letztendlich ist es Ansichtssache. Interessant ist aber die Konsequenz der Ausrichtung der Dialoge, mit der einige Personen bedacht sind. Werner Faymann etwa wird stets als leicht dümmelnder, stets grüßender und von Hans Dichands Krone abhängiger Lächler dargestellt. Josef Pröll wiederum als der gemütliche, eher einfache Mann vom Lande, der stets nur eines im Kopf hat: genug Essen zu kriegen.

Jetzt weiß ich schon, dass auch politisches Kabarett ohne Klamaukanteil nicht auskommt, doch angesichts der Konsequenz, mit der Maschek Kanzler und Vizekanzler darstellen, lässt sich doch nachdenken, wie viele der oben genannten Bilder tatsächlich in der Bevölkerung verankert sind. Denn Maschek sind derzeit nicht unerfolgreich und scheinen den Nerv der Zeit zu treffen. Auch bei Werner Faymann und Josef Pröll also?
Ich glaube, nicht in allen Punkten. Selbstverständlich hat Werner Faymann die SPÖ unter anderem über die einseitige Unterstützung der Kronen Zeitung zum Wahlsieg geführt. Doch der Kanzler hat das Land mit seinem Harmoniestreben auch wieder in sachlichere, ruhigere Gewässer gebracht. Eine in diesen kritischen Zeiten nicht zu unterschätzende Leistung.

Und Josef Pröll auf einen dicken, dumpfen Buben vom Lande zu reduzieren ist so und so eine glatte Fehleinschätzung. Pröll gilt derzeit als zentraler Mann dieser Regierung. Als Vizekanzler unumstritten, als Finanzminister mächtig. Zweifellos erwischte Pröll den besseren Start der beiden Spitzenpolitiker. Auch wenn er in der Diskussion um die Lehrermehrstunden kurz ins durchsichtige parteipolitische Kalkül abrutschte und dann alle Hände voll damit zu tun hatte zurückzurudern.
Nein, die Vorstellung, die Faymann und Pröll da derzeit abgeben, ist sicher nicht schlecht. In Zeiten der Gusenbauer-Koalition wurde geschimpft, weil ewig gestritten wurde. Und das war ja leider auch so. Da sollten uns Faymanns Krone-Lächeln und Prölls angebliches Übergewicht schon viel, viel lieber sein.