Linz verändert

„Linz verändert“ – Eine historische Fälschung von und mit maschek.

Mockumentary, Dezember 2008.

In dieser Geschichte von Linz wird die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg in eine sowjetisch kontrollierte Nord- und eine amerikanisch kontrollierte Südhälfte geteilt, auch der Staatsvertrag von 1955 bringt Linz die Selbstbestimmung nicht zurück. Erst 1989 kommt unter Gorbatschow die Öffnung, bald darauf die Wiedervereinigung. Doch erst 2009 ist Linz wirklich frei, nachdem Bürgermeister Dobusch die Stadt den Künstlern übergeben hat: „Machts, was ihr wollts!“

Produziert im Dezember 2008 für die Eröffnung der Kulturhauptstadt Linz 2009.

Off-Kommentar:
Harald Posch

Tonaufnahmen:
Markus Urban
René Kornfeld (Innenhofstudios, Wien)

Video auf YouTube (auch in hoher Qualität): Teil 1 und Teil 2
Video zum Download: Quicktime H.264 (30 MB)

Pressestimmen:

Dennoch muss der Abend für die versammelten Politiker besonders schwer gewesen sein. Denn zu Wort kam, bis auf Bundespräsident Heinz Fischer, keiner. Aber zumindest waren unter anderem Landeshauptmann Josef Pühringer und der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch im Bild – für den Unterton sorgte allerdings in bewährter Form das Synchronkabarett-Trio maschek. Präsentiert wurde anhand alter Filmaufnahmen eine gelungene „Fälschung“ der Stadtgeschichte. Linz als eine nach dem Zweiten Weltkrieg ‚geteilte Stadt‘, die erst durch die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt ‚frei‘ wird. (Der Standard)

Im Brucknerhaus war um diese Zeit noch die feierliche Eröffnungsgala im Gange. Ein Höhepunkt dieses Festprogramms: die „historische Fälschung“ des Kabaretttrios „maschek“, das wieder einmal „drüberredet“, diesmal synchronisiert über Filmsequenzen aus der Vor- und Nachkriegszeit, in der Linz als liebste Kulturhauptstadt Hitlers eine Rolle spielt und eine geteilte Stadt bleibt, bis sie durch ihre Rolle als Kulturhauptstadt endlich frei wird. (Die Presse)

Satirischen Feinspitzen zerging „Eine historische Fälschung“ von maschek auf der Zunge. Personen in filmischen Zeitdokumenten legte das Kabarett-Trio Scharfes, Gewagtes, Selbstironisches in den Mund: vom Gauleiter, der verkündete, der Führer habe Linz als Alterswohnsitz und Kulturhauptstadt auserkoren, was nach dem Zweiten Weltkrieg zur gestern beendeten Zweiteilung der Stadt geführt habe, bis zum finalen Dobusch-Wort „Macht’s, was wollt’s“. (Oberösterreichische Nachrichten)

Das entspricht der Grundüberzeugung der Kulturhauptstadtmacher, dass es in Oberösterreich bislang keine Sammlungstradition gegeben habe und das Land bis 1989, wie man bei der Eröffnung von den Kabarettisten der Gruppe Maschek „augenzwinkernd“ erfahren musste, von den Russen besetzt gewesen sei und bis zur Kulturhauptstadt einer kulturellen Wüste glich. (Oberösterreichische Nachrichten)

Ein viel beachteter und auch reichlich für Diskussion sorgender Beitrag war ein Film des Kabarett-Trios „maschek“, der Politiker und Situationen rund um Linz seit 1945 aufs Korn nahm. Mit Humor, Schärfe und stellenweise auch die Annäherung an die Grenze des guten Geschmacks nicht scheuend. (Volksblatt)

Aus dem bunten Programm ragte ein televisionärer Rückblick des Kabarettistenkollektivs Maschek heraus, das filmische Zeitdokumente aus der Linzer Vergangenheit neu synchronisierte und damit höchst virtuos wie elegant „geschichtsverfälschend“ unterhielt. (Drehpunkt Kultur)

Originalskript:

  • Diese Geschichte von Linz beginnt im Jahr 1939. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, verkündet einen Sonderwunsch Adolf Hitlers. – OT Eigruber
  • Auf der Konferenz von Jalta beschließen die alliierten Staatschefs Roosevelt, Churchill und Stalin eine besondere Bestrafung der Lieblingsstadt Hitlers. Linz soll als Mahnmal eine geteilte Stadt werden. – OT Jalta
  • Am 5. Mai 1945 wird die Stadt befreit und sogleich entlang der Donau geteilt. Es entstehen das sowjetisch kontrollierte Nord-Linz und das amerikanisch kontrollierte Süd-Linz. – OT Flieger
  • OT Renner
  • Die Nord-Linzer werden von den Sowjets mit harten Umerziehungsmaßnahmen auf ein sozialistisches Leben vorbereitet. Der Volksmund spricht davon, dass es den Menschen im Norden grottenschlecht gehe. – OT Kinder, Propaganda
  • Süd-Linz wird umgehend amerikanisiert. Der Kapitalismus zieht auf der Landstraße ein. – OT Hunde, Affe
  • Im Mai 1955 verkündet Leopold Figl das Inkrafttreten des Österreichischen Staatsvertrags. Ganz Österreich ist frei. Ganz Österreich? – OT Figl, Einflüsterer
  • Anlässlich eines Besuchs des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow, versuchen die Nord-Linzer die Teilung der Stadt Linz rückgängig zu machen. – OT Wettsaufen
  • Linz bleibt weiter eine geteilte Stadt und bildet neben Berlin den Hauptkonfliktort des Kalten Krieges.
  • Die USA versprechen ihrem Protektorat im Süden wirtschaftlichen Aufschwung und Schutz vor einer möglichen Invasion des Nordens. Die Entwicklung einer neuen Superwaffe soll die Überlegenheit des Südens sichern. – OT killing machine
  • Um den wirtschaftlich überlegenen Süden nicht merken zu lassen, dass die Ziele der Planwirtschaft in immer weitere Ferne rücken, lässt man sich im Norden ein Täuschungsmanöver einfallen: Während die Lebensmittel für die Bevölkerung rationiert werden, wird nach dem Vorbild des Salzburger Stiers ein Pony gemästet, das dem Süden bei Paraden und Aufmärschen entlang der Donaupromenade den im Norden herrschenden Überfluss vor Augen führen soll. – OT Pony
  • Das Wettrüsten macht auch vor dem Wiederaufbau ziviler Gebäude nicht halt. Die Nordlinzer Bevölkerung muss im Interesse der Allgemeinheit Entbehrungen auf sich nehmen um mit der Bautätigkeit im Süden Schritt halten zu können. Im Süden zieren immer mehr Pracht und Repräsentationsbauten das Donauufer.
  • In Nordlinz wird ein Bau als besondere Provokation verstanden. Für die regierende Kommunistische Partei Donauseite Urfahr, die KPDSU, stellt das Bruckner-Haus einen versuchten Brückenschlag nach Norden dar. Der Frieden hängt an einem seidenen Faden.
  • Als der Süden versucht die Zivilbevölkerung im Norden durch Beschallung mit psychoaktiver Musik zu demoralisieren, kommt es zum sogenannten Klangwolken Konflikt. – OT Radios aus dem Fenster
  • OT StäV im Süden will zurückschlagen.
  • Der Norden beschießt mit Laserkanonen den Südlinzer Nachthimmel. Ganz Südlinz leidet unter Schlafentzug.
  • Doch das ist noch nicht das Ende dieser Geschichte von Linz.
  • Ende Teil 1
  • Mit „arse lectronica“ trifft 1979 die langersehnte Superwaffe aus den USA, ein High-Tech Kampfroboter, in Linz ein. – OT Hillinger mit Arse: „I want your clothes, your boots, and your Bürgermeisteramt“ – oberösterreicherisch – „I werd dich beschützen: Ich brauch dein Gwand, deine Brille und deine Autotür ist offen“
  • Im Jahr 1989 lädt der österreichische Aussenminister Mock erstmals Nordlinz ein, sich beim  „Linzer Guglhupf Meeting“ dem Backwettbewerb mit Südlinz zu stellen. – OT Mock: Gemeinsam können wir es backen!
  • Nordlinz nimmt die Herausforderung an. Viele Nordlinzer Bäuerinnen betreten erstmals Südlinzer Boden, die meisten kommen wohl auch wegen der 400,- Schilling Begrüssungsgeld.
  • Man staunt über die Warenvielfalt und Luxusgüter. – OT Bäuerinnen: „Linzer Augen mit drei Augen“
  • Michail Gorbatschow kommt nach Süd-Linz und weckt neue Hoffnungen auf die Wiedervereinigung der geteilten Stadt. – OT Schüller, Gorbi, Hartlauer
  • Die KPDSU unter Stadt- und Parteichef Dobusch beschliesst Ende des Jahres 1989 offiziell die Öffnung der Grenzen.
  • Die zugemauerte Verbindung an der Zollstation von Nordlinz zur Nibelungenbrücke wird von den „Mauerspechten“ eingerissen. – OT Mauerspechte
  • Studenten und Künstler aus dem Süden zieht es nach Nordlinz, wegen der billigen Mieten und der bald entstehenden lebendigen Kulturszene. – OT Künstler
  • Nicht jeder profitiert vom neuen Frieden, es gibt auch Wendeverlierer. – OT Arse
  • Die formale Wiedervereinigung kommt im November 1990. Der Bundespräsident versucht in einer umstrittenen Rede, alte Wunden zu schließen. – OT Waldheim
  • OT Parteichef Dobusch kündigt an, tiefergehende Reformen „prüfen zu wollen“.
  • Nach knapp zwei Jahrzehnten ringt man sich durch, ein Monument der Wiedervereinigung zu erbauen. In den Köpfen vieler Linzer bleibt die Stadt geteilt. – OT Klestil
  • Um aus dem Blickfeld der internationalen Aufmerksamkeit zu kommen, konzentriert sich Linz auf die Errichtung eines ausladenden Zentralbahnhofs. – OT Fischer, Pühringer, Frau Fischer
  • OT Dobusch: 2 Jahrzehnte überlegt, aus Linz etwas zu machen, ist eine Kunst, daher überlassen wir es jetzt testhalber 1 Jahr lang den Künstlern. Machts was ihr wollts.
  • Linz ist im Jahr 2009 frei.
  • Ende Teil 2