„Gusenbauer, der Lieblingspolitiker“ (Oberösterreichische Nachrichten)

Gusenbauer, der Lieblingspolitiker (Oberösterreichische Nachrichten, 11.11.2008)

Sie synchronisieren in „Dorfers Donnerstalk“ Politikergespräche, zeigen mittels Puppentheater, was „Bei Schüssels“ los ist, und ihr Kabarett-Programm heißt „maschek.redet.drüber“. Die OÖN sprachen mit Peter Hörmanseder (38), dem maschek-Drittel aus Wels.
OÖN: Was bedeutet der Name „maschek“?

Hörmanseder: „Maschek“ ist ein alt-ostösterreichischer Begriff. Eigentlich heißt es die „maschek-Seite“, was bedeutet, dass jemand von hintenrum kommt, von der anderen Seite. Wir haben das abgekürzt.

OÖN: Wie ist die Idee zu dieser Art Kabarett entstanden?

Hörmanseder: Das war Zufall. An einem Wahlabend war eine Elefantenrunde so fad, dass wir gesagt haben, wir drehen den Ton ab und reden selbst weiter.

OÖN: Wie viele Stimmen können Sie imitieren?

Hörmanseder: Schwierig, weil wir ja nicht wirklich die Stimmen imitieren, sondern Charaktere nachmachen, einen Schnösel, einen Bauern, eine piepsige Frau … – da hat jeder von uns gewisse Register.

OÖN: Warum bieten sich gerade Politiker als Opfer an?

Hörmanseder: Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit Menschen, die in den Medien stehen. Politiker nutzen wir, weil sie die perfekten Sprachrohre für Blödsinn sind, der überall auf der Welt passiert.

OÖN: Wer ist Ihr Lieblings-politiker – maschek-technisch?

Hörmanseder: Der Gusenbauer war als Figur bei uns immer sehr lustig, weil wir ihn als Homer Simpson angelegt haben. Die Figur, die ich im Moment am liebsten mache, ist Bundespräsident Fischer. Weil man mit seinem spröden Charme und seiner Langeweile sehr gut spielen kann.

OÖN: Wie oft überarbeiten Sie ein Programm?

Hörmanseder: Sehr oft. Nach der US-Wahl hatten wir am nächsten Abend schon eine Nummer mit einem ZiB-Beitrag darüber im Programm.

OÖN: Wo ziehen Sie Ihre Humor-Grenze?

Hörmanseder: Das zeigt am besten ein Beispiel. Wir haben jetzt eine Geschichte mit Natascha Kampusch im Programm. Als sie ausschließlich das Opfer war, war sie für uns kein Thema. Erst als sie heuer aber geglaubt hat, sie muss selber eine Fernsehsendung machen. Wir thematisieren sie als Journalistin, die sie einfach nicht ist.

OÖN: Sie karikieren das Fernsehen und sind in „Dorfers Donnerstalk“ selbst Teil des Fernsehens – wie gehen Sie mit dieser Diskrepanz um?

Hörmanseder: Wir haben lange überlegt, ob wir „Dorfers Donnerstalk“ machen können, weil wir den ORF immer wieder als den Bösewicht in der österreichischen Medienlandschaft definieren. Der beste Platz, um Fernsehkritik zu machen, ist aber im Fernsehen – und nachdem wir dort absolute Narrenfreiheit genießen und machen können, was wir wollen, passt das für uns.

OÖN: Was sehen Sie sich selbst im Fernsehen an?

Hörmanseder: Nach wie vor die „Simpsons“. Außerdem amerikanische Serien, wie „Curb Your Enthusiasm“ und „30 Rock“, die es bei uns nicht gibt, auf DVD. Ansonsten: Nachrichten, Dokumentationen – Dinge, die klassisch öffentlich-rechtliches Fernsehen wären, bei uns aber nicht mehr im Fernsehen zu sehen sind.

OÖN: Lesen Sie die Texte während Ihrer zweistündigen Live-Auftritte von einem Monitor ab?

Hörmanseder: Nein. Wir merken uns die Geschichten, die wir erzählen wollen, und wer welche Stimmen spricht. Dann passiert aber sehr viel spontan und improvisiert.

OÖN: Die Synchronisationen scheinen auf Mundbewegungen abgestimmt…

Hörmanseder: Das ist eine Täuschung. Wenn man Gesprächspausen einhält und zur gleichen Zeit wie die Person im TV hustet, glaubt das Publikum, was es sieht, sei synchron.