„Das Prinzip heißt Hineinsteigern“ (Süddeutsche Zeitung)

Synchronisierter O-Ton
Kabarettisten-Trio „Maschek“ im Römerhof

Süddeutsche Zeitung, 3. 10. 2008, Nadja Mayer.

Garching – In Österreich sind sie seit Jahren Kult: Die „Originaltonzerstörer“ Maschek sind nun auch zum ersten Mal mit ihrem brandneuen Programm „maschek.redet.drüber“ im Großraum München aufgetreten – als Überraschungsgast des 47. Kulturbonbons im Römerhof. Das Publikum war erstaunt über die Aktualität des Programms: Sogar die Bayernwahl und die Nationalratswahl in Österreich am vergangenen Sonntag hat das Wiener Kabarettisten-Trio bereits verarbeitet.
Als „akustisches Beiwerk“ kündigten sich die Kabarettisten Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel an. Die Hauptattraktion war zunächst der Fernseher, eine große Leinwand auf der Bühne, neben der das Trio zum Auftakt des Programms noch recht klein wirkte. Doch als die Show begann und das Gerät lief, wurde schnell klar, dass die drei Wiener das wahre Highlight sind. Originalausschnitte von Nachrichtensendungen aus dem deutschen wie aus dem österreichischen Fernsehen synchroniserten sie mit äußerst banalen Inhalten – der Effekt erzielte zahlreiche Lacher beim Publikum.
So deutete Maschek beispielsweise den G 8-Gipfel in Heiligendamm als „Koch-Wettbewerb“ im Big-Brother-Container um. Die ARD-Reporterin wurde plötzlich zur Moderatorin der Live-Übertragung direkt vom Container – dem Tagungshotel der G 8-Vertreter. Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Tony Blair und andere Staatsoberhäupter – die Kandidaten der Show – sollten gegeneinander kochen. „Der schlechteste wird dann hinaus gevotet“, erklärte die Synchronstimme der Moderatorin.
Mit geschickt gewählten Ausschnitten, die die Politiker ausschließlich in Situationen mit Essen und kleinen Häppchen während der Konferenz zeigten, konnten Maschek die Gestern perfekt in die „Koch-Show“ einbauen und synchron zu den Lippenbewegungen mit ihren eigenen Interpretation übersprechen. „Das schmeckt wie mein alter Turnschuh“, beschwerte sich zum Beispiel George W. Bush bei Tony Blair, nachdem  er seine Fish’n’Chips verköstigt hatte.
Doch nicht nur mit Banalitäten wussten die Kabarettisten den wahren Inhalt der Nachrichtensendungen zu ersetzen. Mit überspitzten Kommentaren übten sie scharfe Kritik vor allem an den Ergebnissen der Wahlen in Österreich und dem damit verbundenen Rechts-Ruck.
Eine Preisverleihung wurde so zu einer Feier, in der ein Ausländer mit dem Preis der österreichischen Staatsbürgerschaft gekürt wurde. „Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl: Nicht auffallen, besonders nicht durch die Hautfarbe. Und die Bewerber sollten in ihrem Heimatland mindestens einen Magister-Abschluss oder Doktortitel haben.“
Mit diesem kritischen Element ihres Programms gelang es Maschek, einen neuen Aspekt in das Prinzip TV-Synchronisation zu transportieren. Denn die Idee selbst ist nicht neu. Schon in den achtziger Jahren hatte Rudi Carell mit seiner „Tagesshow“ die Möglichkeit genutzt, Fernsehausschnitte mit eigenen Interpretationen humorvoll umzudeuten. Doch im Gegensatz dazu wird Maschek selbst Teil des Programms, das Trio distanziert sich nicht von den TV-Ausschnitten mit Kommentaren. Sie sind die T-Ausschnitte. Das Prinzip heisst Hineinsteigern.