„Der Unterton zur Revolution“ (SN, 29. 9. 2011)

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maria mackinger wien (SN). Was haben Sie eigentlich am 10. Oktober 2010 gemacht? Vielleicht den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht, immerhin war es ja ein Sonntag? Dass dieser eine Fernsehtag Revolutionäres in Ihr Wohnzimmer geliefert hat, könnte Ihnen trotzdem entgangen sein – den „Originaltonzerstörern“ maschek aber nicht.

Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel haben für ihren neuen Programmabend „101010“, der am Dienstag im Wiener Rabenhof Premiere feierte, über 100 Stunden Fernsehmaterial gesammelt und darunter Unglaubliches entdeckt: dass Kim Jong-il Blumen langweilen zum Beispiel, dass Angela Merkel mit den Berliner Medien wenig zimperlich umspringt, dass sich Sänger Eminem gern in den Wiener Discotheken aufhält oder dass Donald Trumps reicher Onkel Dagobert Trump sein ganzes Geld verspekuliert hat und ihm nur noch läppische hundert Mille bleiben, „und die brauche ich für die Betriebskosten“.

Am Ende steht die analoge Welt bei maschek so wie bei Nestroy „auf kan Foi mehr long“, und das muss sich auch der betagte Papst Benedikt eingestehen, dem sein iPad daheim in Rom sowieso schon allzu sehr abgeht.

Fernsehausschnitten durch ihre eigene Synchronisation eine völlig neue, lustige Bedeutung zu verpassen – damit sind maschek dank Auftritten bei „Dorfers Donnerstalk“ österreichweit bekannt und Kult geworden.

Die zwischenzeitlichen Puppenspieler („Bei Faymann“) haben für ihr neues Programm wie beim Vorgänger „090909“ wieder einen Fernsehtag zu einer skurrilen Geschichte verdichtet, und man wundert sich allein schon bei den Bildern, was den lieben langen Tag so alles in die Welt hinausgesendet wird. Wenn maschek der Übertragung vom verregneten ZDF-Fernsehgarten oder einer langatmigen Pressekonferenz von Hugo Chávez (der die neue Weltwährung Paradeiser präsentiert) mit Stimme und Wort Würze verpassen und daraus auch noch die analoge Revolution herauslesen, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Am besten ist das Trio aber immer noch, wenn es sich über die heimische Politprominenz hermacht. Wenn Kanzler Werner Faymann den Kärntnern nach 90 Jahren den Mietvertrag mit Österreich kündigt und bei Heinz Fischers Rede im Hintergrund mit einem Mäderl scherzt oder wenn H. C. Strache in die Disco auf Stimmenfang geht, laufen Hörmanseder, Salamun und Stachel zur Höchstform auf, und der nächste Einsatz ist ob des eigenen Lachens gar nicht so leicht hinzukriegen.

maschek in Salzburg: „101010 – ein revolutionärer Fernsehtag“, 3., 4. Nov. ARGE Kultur, 5. Nov. Kunsthaus Nexus, Saalfelden, 20 Uhr.