„Herrlicher Weltuntergang“

„Herrlicher Weltuntergang“ (Süddeutsche Zeitung vom 14.01.2011)

Hörmanseder, Salumun und Stachel mit ‚Mockumentaries‘

München – Es hat was von Monty-Pythons Ulk, was die drei Österreicher Peter Hörmanseder, Ulrich Salumun und Robert Stachel bei ihren ‚Mockumentaries‘ treiben: Die Darstellung und Selbstdarstellung von Politikern und Prominenten in den TV-Nachrichten wird klug, satirisch und unglaublich lustig zu absurden Geschichten rekombiniert und, der eigentliche Clou, live neu synchronisiert. Nach gut zehn Jahren sind sie, wie einst die Briten, über die kleine Form hinaus und gewappnet für größere Aufgaben.

So ist ihr ursprünglich als Beitrag zum Kulturhauptstadt-Programm von Linz entstandenes neues Programm ‚090909 – Ein katastrophaler Fernsehtag‘, mit dem sie jetzt im Lustspielhaus gastierten, schon fast ein medienwissenschaftliches Projekt: Aus 100 Stunden Nachrichtenmaterial eines einzigen Tages, eben des 9. Septembers 2009, destillieren und inszenieren die drei eine abendfüllende Weltuntergangsgeschichte. Schweizer Umweltaktivisten pflanzen einen Atomreaktor ins ewige Eis und drohen, die Polkappe abzuschmelzen, wenn nicht binnen eines Jahres das Kyoto-Protokoll realisiert wird. Leider programmieren sie die Zeitschaltuhr falsch, aus einem Jahr wird ein Tag. Allerdings bleibt immer noch genug Zeit für die Politiker, sich nach Kräften lächerlich zu machen, von Obama bis zu Berlusconi und Merkel. Und Zeit genug für den ganz alltäglichen Wahnsinn, der sich hier von einer russischen Weltraum-Arche-Noah (‚Ich bin der kleine Maxim‘) über im norwegischen Eis nackt umherspringende Nazis bis zum finalen Popstar-Chor (‚We are the world‘) nur graduell von dem unterscheidet, was man jeden Tag an realem Irrsinn im Fernsehen sehen kann.

Dass sich diese groteske Räuberpistole in ‚echten‘ Bildern entrollt, macht sie zum einmaligen Lehrstück über die Macht der Bilder. Einmalig, weil sie ganz ohne Erläuterungen, didaktischen Zeigefinger und auch ohne Denunziation auskommt.

Oliver Hochkeppel

sz-kultur-fr-14012011